Losung des Tages

Mittwoch, 15.07.2020

In eines Mannes Herzen sind viele Pläne; aber zustande kommt der Ratschluss des HERRN.

Sprüche 19,21

So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet. Vor allen Dingen habt untereinander beharrliche Liebe.

1. Petrus 4,7-8

Aktuelles

Vergeben!

Der Wochenspruch dieser Woche lautet: Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. (Lk. 19,10)

Liebe Gemeinde,

verloren ist etwas, was uns gehört hat, was uns wertvoll ist oder wir brauchen. Wir sind aber nun davon getrennt oder es befindet sich nicht mehr in unserer Reichweite. Es ist noch vorhanden ‑ aber nicht mehr bei uns. Vielleicht machen wir uns nicht die Mühe und gehen auf die Suche danach? Wenn es zum Beispiel eine alte, Socke ist, wer würde schon danach suchen?

Gott ist da anders. Er würde auf die Suche gehen. Dabei sucht Gott nicht verlorene Socken, sondern seine geliebten Menschen. Er hat sie mit viel Liebe und Sorgfalt geschaffen, aber sie sind ihm verloren gegangen. Absichtlich. Sie sind ihm davongelaufen, sie haben sich von ihm getrennt. Weil sie dachten, sie wüssten es besser als er, sind sie ihre eigenen Wege gegangen. Sie haben sich wie Schafe verhalten. Jeder Schafhirte kennt das Problem. In – gefühlt – jedem Geburtenjahrgang gibt es ein Lamm, das seine eigenen Wege gehen will. Es meint, ihm sei die Wiese nicht gut genug, auf die ihr Hirte die Herde geführt hat. Es denkt, es würde ohne ihn eine saftigere Weide finden können. Also macht es sich klammheimlich davon. Aber dann ganz langsam merkt es, wie schwierig es ist, allein seinen Weg zu finden. Auf einmal wirkt auch die Welt ganz anders ‑ gefährlich ‑ so ohne Hirte und Herde. Langsam aber sicher wird es immer ängstlicher. Es ist nun nicht mehr von der schützenden Herde umgeben und es ist kein Hirte da, der es vor den Gefahren schützt. Plötzlich bricht ein Ast unter seinem Huf. Panisch bricht es in irgendeine Richtung los. Egal wohin, nur weg von diesem Ort und der Gefahr. Und es rennt mitten hinein in einen Dornenbusch. Darin verheddert es sich und kommt von allein nicht mehr raus.

Auch wir Menschen verheddern uns oft auf unseren Irrwegen weg von Gott. Immer tiefer verstricken wir uns in Schuld und Sünde. Mir fällt da immer ein Schul-Busfahrer ein. Jeden Tag fährt er ein und dieselbe Route, bis zu vier Mal am Tag. Das tut er jahrelang. Auf dieser Strecke ist wenig los. Die meisten seiner „Fahrgäste“ sind Schülerinnen und Schüler aus kleinen, abseits gelegenen Ortschaften. Da ist es nicht verwunderlich, wenn sich langsam Routine einschleicht. Und wo sich Routine einschleicht dort entstehen kleine Unaufmerksamkeiten. So auch bei dem Busfahrer. An einem Tag – es ist der letzte Ort zu dem er muss – überquert er eine Vorfahrtsstraße. Dabei übersieht er einen Motorradfahrer und überfährt ihn. Der Motorradfahrer stirbt noch am Unfallort. Vor Gericht wird der Busfahrer schuldig gesprochen. Er nimmt seine Strafe auf sich, denn er fühlt sich noch viel schuldiger als ihn der Richter spricht. Jeden Tag muss er an diesen einen Moment denken, an dem er kurz unaufmerksam gewesen war und den Tod eines Mitmenschen verschuldet hat. Diese Schuld beginnt ihn aufzufressen. Kurzfristig kann er seiner Last nur entkommen, wenn er sich betrinkt. Deshalb tut er das immer öfter. Aber nach und nach verliert er dadurch Haus, Frau und Kinder. Schließlich ist er mit seiner Schuld ganz allein.

Das ist aber nicht das Ende. Auch für den Busfahrer kommt, an dem er gefunden wird. Nichts Spektakuläres oder irgendwie Besonderes. Nein, sein ehemaliger Chef kommt zu ihm nach Hause. Sie hatten sich immer gut verstanden. Der Busfahrer dachte, auch dieser hätte ihn aufgegeben. Doch das ist nicht der Fall. Stattdessen hilft er ihm nach und nach wieder auf die Beine. Aber nicht nur das. Sein Chef sorgt dafür, dass der Busfahrer einen Entzug macht. Danach gibt er ihm seine alte Anstellung zurück. Und schließlich erzählt er ihm, warum er das alles getan hat. Weil er in einer ähnlichen Situation war und auch ihm jemand herausgeholfen hat. Er hat ihn zurück ins Leben geführt und ihm geholfen. Dieser jemand hat ihm auch von seinem Glauben an Gott erzählt.

Denn Gott lässt uns nicht in einem Busch hängen. Gott will nicht, dass Menschen verloren gehen. Er lässt sie ihre Wege suchen und auch ihre Fehler machen. Doch wie der gute Hirte lässt Gott sie nicht fallen: Er sucht sie – uns. Er kämpft sich durch das Labyrinth aus Schuld und Sünde zu uns, um uns den Weg zurück ins Leben zu weisen. Ein Leben, das über den Tod hinaus reicht – hinein in die Gegenwart Gottes und hinein in sein ewiges Gottesreich. Dazu ist er gekommen. Dazu sucht er in den Armenvierteln und in den Chefetagen, dazu sucht er unter den Benachteiligten und unter den Privilegierten, dazu sucht er weltweit. Und er wird uns finden. Darauf können wir hoffen und vertrauen. Amen!

 

Auf Wiedersehen

 

Ihr Vikar Joachim Ernst

„Der Monat” und unser Gemeindeteil für Friedrichshofen

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