Losung des Tages

Mittwoch, 12.08.2020

Lass deine Augen offen sein für das Flehen deines Knechts und deines Volkes Israel, dass du sie hörst, sooft sie dich anrufen.

1. Könige 8,52

/Jesus spricht:/ Was ihr mich bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun.

Johannes 14,14

Aktuelles

Du gehörst dazu!

[

 

Der Wochenspruch lautet: „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ (Eph 2,19)

 

 

 

Liebe Gemeinde,

 

wer gehört dazu? „Zutritt verboten. Nur für Befugte.” Solche Schilder kennen wir alle aus unserem Alltag. Diese Schilder sagen uns: „Keinen Schritt weiter. Das ist nichts für dich. Hier darfst du nicht rein.“ Wenn ich vor 2000 Jahren gelebt hätte und in Jerusalem den Tempel besuchen hätte besuchen wollen, dann wäre da möglicherweise ein solches Schild gewesen: Eingelassen in eine Mauer, die den gesamten Tempelbezirk umgab: „Achtung: Kein Nicht-Israelit darf den nächsten Bereich betreten. Wer dabei erwischt wird, wird hingerichtet werden.” Wer gehört dazu? Zur Zeit des jüdischen Tempels hätten die Israeliten geantwortet: Nur wir, wir alleine sind das auserwählte Volk Gottes. Nur wer als Israelit geboren war, durfte in den Tempel. Bei Androhung der Todesstrafe war es verboten, den engeren Tempelbezirk zu betreten. Das Volk Israel zeigte dadurch: Das ist unser Gott. Er hat unsere Vorfahren aus Ägypten befreit und uns dieses Land gegeben. Wir sind das erwählte Volk, ihr seid Heiden. Ihr müsst draußen bleiben. Dass auch andere Völker etwas von Gottes Zuwendung abbekommen sollten, war eine unbekannte Vorstellung. Und auch den meisten Israeliten war der Zugang zum eigentlichen Heiligtum durch einen Vorhang versperrt. Nur der Hohepriester durfte den Raum mit der Bundeslade betreten. Als dann Jesus am Kreuz Gott mit der Welt versöhnte, da zerriss dieser Vorhang.

 

Wer gehört dazu? Das war eine der bestimmenden Fragen der ersten Kirche: Können auch diejenigen Christen werden, die keine Juden sind? Und wenn ja, müssen sie dann erst den Zwischenschritt machen und zunächst Jude werden, bevor sie den zweiten Schritt machen und Christen werden? So blieb diese Frage auch unter Christen: Wer gehört dazu? Heute mag die Frage, ob man Juden- oder Heidenchrist ist, für die Mehrheit keine Rolle mehr spielen. Doch wenn man stattdessen die unterschiedlichen Konfessionen und Glaubensrichtungen betrachtet, wird die Frage „wer gehört dazu?“ erstaunlich schnell wieder aktuell. Wir urteilen schnell, welche Art Gottesdienst zu feiern die einzig wahre ist, welche Lieder gesungen werden müssen und wie die Predigt zu sein hat. Die Kirchengeschichte ist leider voll von Spaltungen, die auf solche Äußerlichkeiten zurückzuführen sind.

 

Wer gehört dazu? Als ich noch in Augsburg studiert hatte, hatte ich eine Freundin, die Iranerin war. Durch sie habe ich ein Flüchtlingspaar kennengelernt, die den Iran verlassen mussten, weil sie Christen geworden waren. Im Iran ist es nicht verboten, Christ zu sein, aber vom Islam zum Christentum zu konvertieren. Es drohen harte Strafen. Deswegen haben die beiden ihre Heimat verlassen müssen und waren nach Deutschland gekommen. Als Ingenieur und Krankenschwester hatten sie beide zur Elite ihres Landes gehört. So war es einfach für sie, ein Visum zu bekommen. Aber hier in Deutschland angekommen wurde es schwer. Für sie war es ein fremdes Land mit fremden Menschen und einer fremden Sprache. Sie fühlten sich ausgeschlossen. Kontakt mit Deutschen hatten sie kaum. Durch die iranische Gemeinschaft in Augsburg kamen sie aber in Kontakt mit einer Kirchengemeinde. Hier wurden sie nicht abgewiesen. Trotz der Sprachbarrieren konnten sie die Gottesdienste mitfeiern und neue Leute kennenlernen. Dadurch lernten sie auch nach und nach Deutsch und begannen heimisch zu werden. Die Kirchengemeinde war dabei ihr Anker und ihr Schutzraum.

 

Wer gehört dazu? Alle! So einfach ist die Antwort, die Paulus im Epheser-Brief gibt. Alle, die glauben und getauft sind. So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. Mit anderen Worten: Ihr gehört dazu, ihr seid absolut vollwertige Mitglieder. Ihr seid Mitbürger und Hausgenossen. Alle sind herzlich willkommen in der Gemeinschaft der Glaubenden, egal ob Heidenchrist oder Judenchrist, egal ob Katholik oder Lutheraner, egal ob Iraner oder Deutscher. Dafür hat Gott an Karfreitag den Vorhang des Tempels zerrissen. Wir, die wir nicht aus dem Volk Israel stammen und trotzdem glauben, gehören zu den Kindern Gottes dazu. Das Schild „Zutritt verboten. Nur für Befugte” braucht uns nicht zu erschrecken, wir gehören dazu. Durch Jesus haben wir direkten und uneingeschränkten Zugang zu Gott. So, wie wir sind, mit Schuld belastet und nicht perfekt können wir kommen. Der unbegreiflich große, heilige Gott möchte Gemeinschaft mit uns. Egal, wo wir geboren wurden, welchen Hintergrund wir haben und wie unsere finanzielle Situation aussieht: Gott möchte eine Familie mit uns sein. Er möchte unser Leben mit uns teilen, in guten wie in schlechten Zeiten. Er möchte uns begleiten, uns Lebensmut und Hoffnung geben.

 

Amen.

 

 

 

Auf ein baldiges Wiedersehen

 

 

 

Ihr Vikar Joachim Ernst

 

„Der Monat” und unser Gemeindeteil für Friedrichshofen

Ab sofort ist die aktuelle Ausgabe von „Der Monat” online verfügbar im Monats-Archiv auf der Internetseite des Dekanats. Dort findet sich auch die aktuelle Ausgabe unseres Gemeindebriefs.

Weitere Berichte und Nachrichten aus unserer Gemeinde

Es sind keine Nachrichten vorhanden.